Werden britische Käufer wirklich vegan?
Anonymisierte britische Einkaufslisten zeigen einen stetigen Anstieg pflanzlicher Produkte — 9,00 % mehr 2016, 15,67 % 2017 und 17,58 % 2018 —, während Fleisch und Milchprodukte nur 0,77 % ihres Listenanteils verloren. Die Briten legen Pflanzliches dazu, statt tierische Produkte zu streichen — das ist flexitarisch, nicht vegan.
Das Wichtigste in Kürze
- Pflanzliche Produkte beanspruchten zwischen 2016 und 2018 4,14 % mehr Platz auf britischen Einkaufslisten — ein stetiger Anstieg, kein einmaliger Ausschlag.
- Fleisch und Milchprodukte verloren in denselben drei Jahren nur 0,77 % Listenanteil; das pflanzliche Wachstum kommt also dazu, statt zu ersetzen.
- Veganuary taucht in den Daten erstmals im Januar 2018 auf, als vegane Produkte 22,08 % vor den nicht-veganen lagen — der höchste je gemessene Monat.
- Vor 2018 waren die pflanzenreichsten Monate Mai bis Juli — das Muster trieb also eher saisonales Essen als irgendeine Kampagne.
- Mandelmilch ist in Großbritannien die klare Standard-Milchalternative und liegt 47 % vor Sojamilch.
Veganismus ist in Großbritannien in aller Munde. Langjährige vegane Kampagnen wie Veganuary sind von einer kleinen Randerscheinung zu etwas geworden, bei dem 2019 jeder jemanden kennt, der mitgemacht hat. Aber wie hat die wachsende Präsenz des Veganismus die Einkaufsgewohnheiten der Briten in den letzten 5 Jahren verändert? Setzen britische Käufer weniger Fleisch und mehr vegane Produkte auf ihre Einkaufslisten? Oder ist der vegane Hype nur heiße Luft?
Einkaufsliste holen2019: Am Anfang war vegan
„Vegan“ war 2019 vielleicht DAS Modewort schlechthin. In diesem Jahr hatte Veganuary so viele offizielle Teilnehmer wie nie zuvor (über 250.000), Piers Morgan verschluckte sich live im Fernsehen an einer veganen Wurstrolle, und die Kunden von KFC kauften den veganen Burger landesweit fast sofort leer.
Aber was ist Veganismus eigentlich?
Veganismus ist eine Ernährungsweise, die Lebensmittel und Produkte ablehnt, die aus oder von Tieren stammen. Er gilt als der ethischste und nachhaltigste Lebensstil — mit minimalen Auswirkungen auf die Umwelt und frei von Tierleid. Das wiegt besonders schwer in einer Zeit, in der wir eine globale Klimakrise erleben und ein vollständiger Kollaps der Natur droht.
Dabei ist Veganismus nichts Neues — es gibt ihn seit vielen Jahren. Erst in den letzten Jahren wird er von so viel Getöse, Furor und Leidenschaft begleitet.
Doch welche Spuren hat dieses pflanzliche Spektakel auf den Einkaufslisten der Briten hinterlassen?
Nun — das lässt sich nur auf eine Weise herausfinden: hineinschauen.
So sind wir vorgegangen
Listonic ist eine der weltweit bestbewerteten und meistgeladenen Einkaufslisten-Apps. Mit Erlaubnis unserer Nutzer können wir sehen, welche Artikel auf ihren Listen landen.
Wir haben uns konkret angesehen, wie viele Artikel britische Nutzer in den letzten 5 Jahren aus „veganen“ Kategorien („Obst und Gemüse“ sowie „Getreide und Nudeln“) und aus „nicht-veganen“ Kategorien („Fleisch“ und „Milchprodukte“) auf ihre Listen gesetzt haben.
Wenn Veganismus wirklich eine Ernährungsentscheidung ist, die immer mehr Briten treffen, dann müssten ihre Einkaufslisten zeigen: weniger Fleisch, mehr pflanzliche Produkte.
Briten kaufen seit 2016 mehr vegane Produkte…
Auf den Einkaufslisten britischer Nutzer finden sich tatsächlich mehr Produkte aus veganen Kategorien. Aber erst seit 2016 zeigt die prozentuale Differenz zwischen veganen und nicht-veganen Produkten einen klaren Aufwärtstrend. 2016 kauften sie 9,00 % mehr, 2017 schon 15,67 % mehr und 2018 sogar 17,58 % mehr.
Im selben Zeitraum wurden auch bestimmte vegane Produkte deutlich häufiger auf Listen gesetzt — etwa Mandelmilch, Sojamilch, Quorn und Tofu.
…aber kaum weniger Fleisch und Milchprodukte
Schaut man allerdings darauf, wie viel Platz Artikel aus veganen und nicht-veganen Kategorien auf einer Einkaufsliste einnehmen, kaufen die britischen Nutzer offenbar kaum weniger Fleisch und Milchprodukte.
Während der Listenanteil veganer Produkte zwischen 2016 und 2018 um +4,14 % wuchs, schrumpfte der Anteil nicht-veganer Produkte um winzige -0,77 %.
Die Briten werden flexitarisch
Diese Ergebnisse legen nahe: Großbritannien wird nicht wirklich vegan. Die vegane Botschaft scheint aber anzukommen, denn die Daten deuten darauf hin, dass britische Käufer allmählich flexitarisch werden.
Aber was ist Flexitarismus?
Er bedeutet, den Anteil pflanzlicher Produkte in der Ernährung zu erhöhen und Fleisch sowie tierische Produkte zu reduzieren — ohne Nicht-Veganes komplett auszuschließen.
Tatsächlich ist genau dieses Reduzieren von Fleisch, Milchprodukten und Eiern das, was die wissenschaftlich fundierte planetare Diät empfiehlt, die im Januar dieses Jahres vorgestellt wurde. Dieser Ernährungsansatz soll den Planeten satt machen und den Kollaps der Natur verhindern können.
Veganuary beeinflusst das Einkaufsverhalten erst seit Januar 2018
Bei so viel wachsender Aufmerksamkeit für Veganuary müsste der Januar doch eigentlich der Monat sein, in dem die meisten veganen Produkte auf den Listen landen, oder?
Nun — einen deutlichen Effekt gab es offenbar erst 2018. In dem Jahr hatte der Januar die höchste monatliche Differenz zwischen veganen und nicht-veganen Produkten des ganzen Jahres: +22,08 %. Das legt nahe, dass Veganuary erst seitdem wirklich auf den Einkaufslisten ankommt.
In den Jahren davor lag die größte Differenz zwischen veganen und nicht-veganen Produkten in den Sommermonaten (Mai bis Juli).
Mandelmilch ist die beliebteste Milchalternative in Großbritannien
Bei all den Informationen, die uns die Einkaufslisten unserer Nutzer liefern, konnten wir nicht widerstehen, einen Blick auf einige der veganen Produkte darauf zu werfen.
Mandel- und Sojamilch sind schon lange etablierte, beliebte Alternativen zur Kuhmilch. Es zeigt sich aber: Bei den britischen Käufern ist Mandelmilch der klare Favorit — sie ist 47 % beliebter als Sojamilch!
Fazit
Da haben wir es also. Britische Käufer bewegen sich eher in Richtung Flexitarismus als Veganismus: Sie kaufen mehr vegane Produkte, reduzieren Fleisch und Milchprodukte aber längst nicht im selben Maß. Wer mehr wissen möchte, kann den vollständigen Bericht lesen (auf Englisch).